Unser Manifest


Die genaue Definition der Fotografie wird gegenwärtig immer häufiger vergessen.
Der Name leitet sich aus dem altgriechischen photós, „Licht“ und graphein „zeichnen, malen oder schreiben“ ab. Dabei wird mithilfe eines optisch-physikalischen Verfahrens ein Bild bestehend aus Licht auf ein üblicherweise lichtempfindliches Medium projiziert und dort, zumindest temporär oder latent, festgehalten.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass alles was an Nachbearbeitung über die klassischen Entwicklungs- und Vergrößerungstechniken wie z.B. das Anpassen von Helligkeit, Kontrast, Farbe und Ausschnitt hinausgeht, also alles was durch das einfache Manipulieren von Licht und den damit verbundenen Gegebenheiten, in einer einzigen Aufnahme, zu erreichen ist, nicht mehr als „reine“ oder „pure“ Fotografie bezeichnet werden kann.

Ein Fotograf sollte daher ausnahmslos die Absicht haben, nur mithilfe dieser Mittel, seine endgültigen Resultate zu erreichen. Er muss schon während der Aufnahme absolut Ergebnisorientiert handeln und sich verpflichtet fühlen seine Motive authentisch darzustellen. Wer seine Werke beispielsweise mit Hilfe von Photoshop stark nachbearbeitet, retuschiert, komponiert oder aus mäßigen Fotografien finalisiert, betreibt „Digital-Art“ und keine Fotografie.

Auch wenn unter den Mitgliedern überwiegend mit Filmmaterial gearbeitet wird, möchten wir uns nicht auf dieses Medium beschränken. Ob die Aufnahmen nun digital oder analog entstanden sind, spielt laut unserer Definition keine Rolle. Beide Methoden sind komplett gleichgestellt. Nur der Umgang mit der Fotografie, beziehungsweise die Arbeitsweise, spielt eine Rolle.

Das Hauptziel unserer Gruppe ist es, in Form unseres Auftretens und unserer Werke zu zeigen, was wir unter dem Begriff der Fotografie verstehen. Neben der Präsentation unserer eigenen Erzeugnisse, möchten wir auch die Arbeit anderer Fotografen zeigen, die mit ähnlichen Tendenzen agieren. Dafür stellen wir unter anderem unsere Online-Galerie zur Verfügung.

Wir beabsichtigen in keiner Weise das Bild der Fotografie ausschließlich auf unsere Sicht zu beschränken. Es gibt eine Vielzahl an wunderbaren und ernsthaften Arbeiten, die nicht mit dem hier definierten Stil harmonieren. Ebenso wenig möchten wir durch die Wahl unserer Mitglieder eine ablehnende Haltung gegenüber anderen Fotografen und Künstlern zum Ausdruck bringen.

Unser Stil lehnt an den Gedanken der Straight Photography (Group f64) und der Neuen Sachlichkeit an. Allerdings ist unsere Idee eher als eine Art moderne Adaption zu verstehen. Der Wandel am Anfang des 20. Jahrhunderts gegen den Pictorialismus ist, heute in Zeiten der massiven digitalen Bildbearbeitung, erneut aktuell. Eine rein sachliche Darstellung der Motive, die ohnehin unmöglich ist, soll nicht primärer Vorsatz unseres Strebens sein. Ebenso sind auch farbige Aufnahmen gerne gesehen, da Farbe für die Bildaussage und die Wiedergabe von Emotionen wichtig sein kann. Selbst der Pictorialismus kann mit reinen fotografischen Methoden erreicht werden und ist aus unserer Sicht Bestandteil der reinen Fotografie.

Vielleicht können wir andere dazu ermutigen, sich (wieder) mit den wesentlichen Elementen der Fotografie auseinanderzusetzen und zu den Ursprüngen und der essenziellen Idee zurückzufinden. Niemand ist gezwungen sich mit den von uns vorgestellten Parametern zu bedienen um Fotograf zu sein. Es ist vielmehr ein Denkanstoß und Anker für eine sterbende Art der Fotografie. Die klassische Arbeit bestehend aus Kreativität, Maß und Können.